Der amerikanische Mythos: Freiheit für die Welt?

Um die Frage gleich in meinem Sinne zu beantworten, die in der Überschrift steht: Für US-Amerikaner: ja sicher; für alle Anderen: eher nein!

Der Mythos Amerika, genauer gesagt der USA als Staat beruht aus einer Zeit, in der in Europa immer noch machtverliebte Monarchen ihre Bevölkerungen aussaugten wie Vampire ihre Opfer, und wo es eine bürokratische Elite gab, die ihren Herrschern gerne und willig zu Diensten war. Hier war Amerika und besonders die USA für viele unterdrückte Menschen Europas ein Eldorado der Freiheit.

Denn dort konnte jeder, auch der Spross einer Bauernfamilie, etwas werden, sprich zu Wohlstand, Macht und Sicherheit finden. Wie das dann alles vor sich ging, kann in den berühmt gewordenen amerikanischen Spielfilmen zur Genüge gesehen werden. Aber, und hier ist der Haken in der Geschichte und deren Erzählung, die Filme und Geschichten zeigen immer nur die geglückten Träume, die verwirklichten Träume der Einwanderer. Die, deren Träume sich nicht erfüllten, kann man nur in wenigen Filmen und Erzählungen betrachten. Und das Schicksal der Ureinwohner des amerikanischen Kontinents werden auch nur in wenigen Filmen authentisch beklagt. Sie wurden gejagt, vertrieben und verraten und es haben nur die überlebt, die sich zeitig und vollständig ergeben haben. Und auch die afroamerikanische Volksgruppe, ehemals als Sklaven von Europäern nach Amerika verschifft, sind mittlerweile ebenfalls emanzipiert und integriert, konnten sich ihren begrenzten Wohlstand aneignen, den die europäisch stämmigen Eroberer ihnen zähneknirschend zugestanden, aber als Gruppe sind sie nach wie vor stark benachteiligt und werden von einer weißen Mehrheit diskriminiert.

Aber diese Geschichte, aus der sich der Mythos ableitet, ist damit nicht beendet. Sein wirklich steile Aufstieg begann erst, als sich der Bundesstaat USA weltweit an den Kriegen Europas beteiligte. Wer die Liste der Kriegsbeteiligungen Amerikas in Wikipedia aufmerksam liest, wird feststellen, das die USA erst im April 1917 in den 1. Weltkrieg eingriffen, sich sozusagen auf die Seite der wahrscheinlichen Sieger schlug und halfen, ein geschwächtes und demoralisiertes Deutschland endgültig niederzuringen, um sich dann als der alles entscheidende Sieger darzustellen. Die USA waren durch diesen Krieg gekommen, ohne ihre Infrastruktur zu beschädigen, und wurden schnell zur alles dominierenden Wirtschafts- und Militärmacht.
Ein ähnliches Vorgehen versuchten die USA auch im 2. Weltkrieg, aber der Angriff Japans auf Pearl Harbor erzwang einen früheren Eintritt. Der allerdings bezog sich zunächst auf die asiatischen Regionen durch den Feind Japan. Erst 1944 beteiligte sich die USA an den Kampfhandlungen in Europa mit Bodentruppen. Zuvor halfen die USA den Briten, mit Bomberstaffeln die deutschen Städte ohne Rücksicht auf deren Bewohner in Schutt und Asche zu legen. Zu der Zeit des US-amerikanischen Eingreifens lag Deutschland also schon fast am Boden und hatte seinen Feinden nur noch wenig entgegenzusetzen. Besonders Russlands Rote Armee erzwang unter Aufbietung großer Opfer von Deutschland letztlich die Kapitulation. Trotzdem, die USA sahen sich als der große Sieger des Krieges auch in Europa. Wir erinnern uns, der Kampf Japans wurde erst 1945 durch zwei Atombomben entschieden. Es ist das erste und einzige Mal in der Geschichte, das Atombomben von Zivilisten bevölkerte Städte in Schutt und Asche legten. Auch nach diesem Weltkrieg, der keine amerikanische Infrastruktur zerstörte, waren die USA das einzige Land der industrialisierten Staaten, das sich sofort weiter entwickeln konnte. Alle anderen Staaten waren mit ihrem Wiederaufbau beschäftigt. Und die USA waren jetzt erstmals der Staat, der die Menschen anzog, die große Ideen und Innovationen umsetzen wollten und die in dem einzig intakten Staat der Welt ihr Glück zu finden hofften. Und die amerikanische Wirtschaft unterstützte diesen Sog nach Kräften. Durch diesen Vorsprung errangen die USA die Vormachtstellung auch auf dem neu erblühenden Sektor der Finanzindustrie (…besonders durch die Einrichtung einer Leitwährung.), auf dem Sektor der sich anbahnenden digitalen Entwicklungen, der Raumfahrt und der militärischen Waffenentwicklung und Produktion.

Das ist in sehr groben Zügen der amerikanische Mythos. Wenn wir genauer hinsehen, existiert diese Geschichte im dritten Jahrtausend unserer Zeitrechnung nur noch in der Erinnerung. In der Waffenentwicklung führen heute Russland und China, in der privatwirtschaftlichen Produktion der Konsumgüter geht heute nichts mehr ohne China, und viele kleinere Staaten haben ebenfalls aufgeholt und punkten mit für europäische und amerikanische Verhältnisse billigen und willigen Arbeitskräften. Ein Leit-Staat wie die USA wird nicht mehr gebraucht und verliert mehr und mehr seine Vormachtstellung. Nur der Finanzsektor kann sich heute noch, durch riesige private amerikanische Vermögenswerte, in führender Position halten, denken wir da nur mal an Black Rock, Amazon und Microsoft.

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