Der amerikanische Mythos: Freiheit für die Welt?

Soweit zunächst einmal einige Gedanken über die Herkunft und die Bedingungen, unter denen der amerikanische Mythos entstanden sind. Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg allerdings zeigt nach einer Hochphase bis 1965 ein stetigen wirtschaftlichen und kulturpolitischen Niedergang der USA, der durchaus mit dem Untergangsszenarien anderer Imperien der Geschichte (Rom) konform geht. Die vielen Kriege und der Einsatz militärischer und geheimdienstlicher Kräfte in aller Welt zur Aufrechterhaltung der US-amerikanischen Vormachtstellung, was unter anderen auch mit dem Mittel des erzwungenen Abdankens der Regierenden und deren Ersatz durch willige Despoten erreicht wurde, brauche ich hier nicht aufzulisten. Sie ist in Wikipedia mehr als ausführlich dargestellt. Die Liste ist beeindruckend.

„Politik ist die Summe der Mittel, die nötig sind, um zur Macht zu kommen und sich an der Macht zu halten und um von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen“ – Machiavelli, um 1515

Diese Beschreibung von 1515 passt auf die Interventionspolitik der USA der Neuzeit wie die Faust auf das Auge. Aber ich möchte gar nicht lange auf die Vergangenheit verweisen und Vorwürfe über Verhalten konstruieren. Nein, im Gegenteil, die Vergangenheit beschreibt im politischen Geschäft sehr eindrücklich die Strategien und Methoden, mit denen Staaten ihre Ziele verfolgen, um sich auf internationaler Bühne zu behaupten. Einige dieser Strategien, die ich auch in der heutigen politischen Praxis der USA erkenne, möchte ich kurz beschreiben.

Militärische Interventionen mit eigenen Truppen?
In allen Konflikten setzen die US-Administrationen nur dann eigene Truppen und Kontingente ein, wenn entweder der Gegner (schon) viel zu schwach war, um militärisch gewinnen zu können (Deutschland, Vietnam, Grenada, Irak), beschränken sich auf die Unterstützung und Finanzierung von Oppositionskräften, die sie sowohl mit Waffen versorgen und/oder auch durch Luftunterstützung sprich Bombenabwürfen und Raketenangriffen in einen Vorteil zu bringen versuchen (Syrien, Libyen, Somalia), oder beschränken sich bei starken und Atom-bewaffneten Gegnern (Russland, China) und deren Verbündete/Freunde (Kuba, Venezuela) auf wirtschaftliche und diplomatische Sanktionen und versuchen, ihre Gegner durch Propaganda international in Misskredit zu bringen. Dieses Bild zieht sich durch die ganze Nachkriegsgeschichte seit 1945. Im Falle von Vietnam hat das nicht geklappt und sie gaben auf, im Falle von Afghanistan haben sie ebenfalls letztlich aufgegeben, in Syrien haben sie verloren, im Irak war der Gegner schwach und das Konzept ging auf, in Libyen haben sie das Land politisch und wirtschaftlich zerstört, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Großen und Ganzen aber betrachtet war diese Konzeption in den vergangenen 70 Jahren überwiegend erfolgreich.

„Politik ist die Lehre von den Staatszwecken und den besten Mitteln (Einrichtungen, Formen, Tätigkeiten) zu ihrer Verwirklichung.“
Brockhaus, Bd. 13. 1903, S. 236

Feindbilder aufbauen und diese international verbreiten

Das Motiv, Feindbilder aufzubauen, um den geopolitischen Gegner zu schwächen, beinhaltet zwei Motive, die ganz konkret aus der Summe der Aktionen herausstechen. Zum einen ist hier die medienwirksame Denunzierung des „Feindes“ zu nennen, die bis zu falschen Behauptungen, frei erfundenen Beschuldigungen, angeblichen Geheimdienst-Informationen über Grausamkeiten und kriegerische Absichten geht und stets die Satellitenstaaten (Die Eigenen werden zur Hilfe aufgerufen, die Feindlichen werden mit diskriminiert) mit einbezieht. Beispiel: Der Kampf gegen Nord Stream 2 als Projekt D wird damit begründet, das Russland diese Gaspipeline als politisches Druckmittel einsetzen könne, was Blödsinn ist, denn wenn sie nicht in Betrieb geht, kann sich Europa nicht mehr ausreichend mit Energie versorgen 1 und erleidet auch ohne russische Beteiligung genau den Druck, den die Nicht-Inbetriebnahme verhindern soll. Das ist Dialektik auf einer höchst perversen Ebene. Die Preise für Gas in Europa heute sprechen doch wohl für sich.

  1. …und wird abhängig von den amerikanischen Flüssiggaslieferungen… Darin sehe ich den eigentlichen Grund für den Kampf gegen NS2

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