Wir brauchen mehr Meinungs- und Medienkompetenz

Nun bin ich kein Journalist, habe nicht studiert und lese/beziehe Nachrichten wie jeder andere auch in der Zeitung, dem Portal oder aus Radio- und Fernsehsendungen. Allerdings habe ich mir angewöhnt, für mich wichtige Informationen, zum Beispiel die Programmatik der Parteien vor einer Wahl, im Original zu konsumieren. Gleiches gilt für die Inhalte vielfach zitierter Artikel, Essays und Wortmeldungen aller Couleur, die über das Netz zugänglich sind. So können Reden von Politikern nachgehört werden, können UN-Resolutionen, internationale Verträge oder Gesetzestexte nachgelesen werden, können Fakten und Daten aus dem Netz gezogen werden. Das ist aufwendig und kostet Zeit und Nerven, denn ich muss dann ja auch zum Beispiel Artikel lesen, die bei mir zutiefst unbehaglich ankommen. Bei modernen Nachrichten aber sind die Originale nicht immer zugänglich. Dann muss ich mich dafür entscheiden, mehrere Quellen heranzuziehen und mehr oder weniger umfangreich gegenzulesen. Bei diesen zusätzlichen Quellen ist mir sehr wichtig, das dort sowohl Zitate als auch ausgewiesene Fakten in der Quellenangabe dezidiert aufgelistet sind, damit ich bei Bedarf auch dort noch nachrecherchieren kann. Fehlt dieses, ist der Inhalt eines Artikels für mich grundsätzlich als zweifelhaft anzusehen. Sehr oft benutze ich den Medien-Navigator von SWPRS.org, um eine Nachrichtenquelle in Bezug zu deren geopolitischer und politischer Ausrichtung einzuordnen und lese dann bei Medien gegen, die auf der Skala diagonal gegenüberliegen. Nehmen wir zum Beispiel eine Nachricht, einen Artikel des Spiegel 1 und seinen Inhalten. Gegenzulesen wäre der dann zum Beispiel bei R(ussia)T(uday)DE oder gemäßigter der Epoch-Times. Sind in beiden Artikeln gleiche Informationen gegeben, können diese wahrscheinlich als wahrheitsgemäß betrachtet werden. Sind die beiden Kandidaten sich aber uneinig, werden weitere Quellen-Studien notwendig. Dabei entscheidend aber ist, das, solange noch keine fest recherchierte Faktenlage oder zumindest eine hohe Wahrscheinlichkeit sichtbar wird, meine Meinungsbildung zu dem Thema offen bleiben muss. Auch das ist anstrengend und zeitaufwendig. Festzuhalten ist, Nachrichten, Fakten zu Ereignissen und so weiter sind durch das Netz heute recherchierbar. Viele Quellen, viele Äußerungen, unendliche Interpretationen sind relativ leicht zugänglich.

Etwas anders sieht eine Einordnung von Meinungen und Kommentaren aus. Hier müssen zunächst einmal die Fakten von den Interpretationen des Autors getrennt werden. Dazu erfolgt eine Recherche im Muster der Nachricht. Weiterhin ist wissenswert, in welchem Umfeld sich der Autor bewegt, welchen geopolitischen und politischen Ideen er sich verpflichtet fühlt und in welcher Manier der Artikel, der Kommentar verfasst ist. Wie werden betroffene Personen beschrieben (Präsident, Machthaber, Diktator, Terrorist, Freiheitskämpfer), wie dicht sind die Ableitungen mit dem aktuellen Geschehen verwurzelt (…schon vor 20 Jahren wurde er einmal der Lüge überführt…), gibt es verleumderische, verletzende und aufwieglerische Passagen in dem Bericht und wie geht der Autor mit den gewohnt klischeehaften Freund-/Feindbildern um. Weiterhin sind die Auswahl der Quellen richtig. Im Spiegel werden zum Beispiel bei Berichten, in denen Russland eine Rolle spielt, immer mal wieder Quellen benannt, die bekannt sind für ihre Russland-feindlichen Äußerungen wie zum Beispiel Bellingcat oder der ukrainische Geheimdienst. Ich nutze daher gerne zusätzlich ein Portal, auf dem Spiegel-Artikel besonders zum Thema Russland gerne ausführlich und gut recherchiert unter die Lupe genommen werden: Den Anti-Spiegel, der geopolitisch natürlich auf der anderen Seite wie Der Spiegel steht. Der Spiegel ist Nato-konform und Russland-feindlich eingestellt, der Anti-Spiegel repräsentiert das genaue Gegenteil. Beide Portale werden von mir täglich mit Vorliebe konsumiert und mit ungeheurem Vergnügen gegeneinander gestellt. Leider gibt es für die wichtigsten Nachrichten-Medien D (ARD, Bild, FAZ, SZ) heute noch kein Anti-Portal. Das macht Recherche und Gegenlesen schwierig. Aber mit etwas Mühe und Geduld kann das mit einem Internet-Zugang und einer Rechner/Bildschirm-Kombination ausgeglichen werden. Ich persönlich lese zu jedem für mich interessanten Thema, davon gibt es meist nicht viele, mindestens aus drei bis vier Quellen, die sich über den gesamten Medien-Navigator und darüber hinaus erstrecken. Das geht von Nato-konform bis Nato-kritisch, von konservativ bis egalitär.

Generell könnte ich sagen, das in meiner Ansicht vier grundsätzliche Aussagen für Informationen in Nachrichten nach wie vor gelten. Diese besagen, das…

  • …Meldungen pur an sich immer schnell sind,
  • …Wahrheit und Zusammenspiel sich aber langsam erst dem Auge öffnen,
  • …, wer schnell Meldungen verbreiten muss, wahrscheinlich auf Spekulationen nicht verzichten kann.
  • …freie Meinungsbildung beinhalten muss, bei Informationsbearbeitung offen zu sein für Alles und Jeden.
  1. …den ich seit Jahrzehnten lese und immer noch schätze. Ausnahmen dabei sind vor allem Berichte über Russland, China und alles, was irgendwie mit der Nato zu tun hat.

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