„Ich fürchte mich so vor des Menschen Wort.“ ist eine Aussage, die heute deutlich mehr Realität gewonnen hat als noch im Jahr 1898, als die zitierte Gedichtszeile durch Rainer Maria Rilke entstand. Wir leben heute medial und in täglichen Diskurs in einer Zeit, wo Lügen, Propaganda, Werbung und Wesensverschleierung nahezu allgegenwärtig sind. Vergleicht man die verschiedenen Aussagen in unterschiedlichen Medien, entsteht weder einheitliches Bild noch folgt das dort niedergelegte irgendeinem Muster. Jemand behauptet etwas, der Nächste widerspricht, der Dritte relativiert und der Vierte zieht das bisher Gesagte nur ins Lächerliche, ohne auf Argumente zu reagieren. Und zusätzlich beschimpfen und beleidigen sie sich alle noch gegenseitig. Und diese sehr frustrierende Beobachtung gilt nicht nur für manch außenpolitische Agenda, sondern in ebensolcher Form im Innenpolitischen, Wirtschaftlichen, Medialen und Sozialen. Nun möchte ich hier nicht einfach mit Beispielen beginnen, das ist langweilig und in jeglicher Presse als Wahrheitsauslegung oder auch als Schmiererei und übler Nachrede schnell nachzulesen.
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort… weiterlesenSchlagwortarchiv: Propaganda
Leserbrief zu: Die Sehnsucht nach dem Unmittelbaren (Ausgabe 3/2022; Hohe Luft)
Liebe Rebekka Reinhard.
Ich schreibe diesen Leserbrief als Kommentar auf ihren Artikel:
Die Sehnsucht nach dem Unmittelbaren (Ausgabe 3/2022; Hohe Luft)
Ihr Text fing so schön an, setzte sich so schön fort…
-
Wir leben alle auf demselben Planeten…
-
Vielmehr ist es umgekehrt…
-
Auch Heufer-Umlaufs Position…
-
Was die einzelnen Mitglieder (Gruppe A, Gruppe B)…
…und dann dieser Satz eines Historikers: „Gehen Sie immer wieder in die Beobachtungshaltung!“, um den Autor dann einen Verschwörungstheoretiker zu nennen und somit genau in die Falle zu gehen, die sie vorher versuchten zu beschreiben. Und bei den Vorschlägen zur Lektüre weisen sie auf einen „Exemplarischen Vortrag eines erfolgreichen Verschwörungstheoretikers…“ hin und bestätigen damit, das Sie nicht versehentlich, sondern beabsichtigt in die selbst beschriebene Falle gegangen sind.
Und dann kommt der letzte Abschnitt, in dem sie ein Zitat von Nguyen-Kim ausführen:
„Wenn wir im Streit (…) nur versuchen, unsere persönliche Ansicht mit allen Mitteln durchzusetzen… treten wir auf der Stelle“. Damit widerlegen Sie sich selbst. Einen Historiker, der sich mit der Analyse von Ereignissen befasst und diese in einen Zusammenhang zu setzen sucht, einen Verschwörungstheoretiker zu nennen, ist doch gerade der Versuch, seine Schlussfolgerungen bereits im Vorfeld zu diskreditieren, anstatt die geäußerte andere Meinung einfach in den Diskurs aufzunehmen und zu diskutieren.
Ich habe viele, sehr viele Vorträge von Herrn Ganser gehört und verfolgt, und klar, nicht alle seine Schlussfolgerungen entsprechen den gültigen Narrativen, aber das man seine Ausführungen so einfach vom Tisch wischen könne (Verschwörungstheoretiker eben, mit anderen Worten: Lohnt sich nicht zu lesen/hören…), kann ich keinesfalls bestätigen. Im Gegenteil, denn auffällig ist, das sich seine Gegner nicht einmal bemühen, seine Argumente anzugreifen, sondern gleich und schon im Vorfeld zur Verleumdung greifen. Ich habe bisher noch jede Behauptung von Herrn Ganser recherchieren können, denn jede seiner Aussagen ist mit Quellenangabe belegt. Pro Buch sind das zum Beispiel über 500 Quellenangaben, und auch auf seinen Vorträgen werden alle Quellen benannt. Das suchen sie im von Ihnen zitierten Spiegel, in der Zeit und sonst-wo stets vergebens.
Der Satz „Gehen Sie immer wieder in die Beobachtungshaltung!“ ist doch so zu verstehen, das jede Nachricht, jede Meinung, jede Beschreibung immer in Relation zu ihrem Urheber und dessen hoffentlich bekannte Position gesetzt werden muss. Die Behauptungen eines kriegführenden Präsidenten wird sicher nicht heißen: „Ich bin im Unrecht…“, die eines Pharmaunternehmens nicht „Mein Produkt ist unwirksam…“ oder die eines Reporters nicht: „Ich mache Propaganda…“, nein, sie wird die Fakten so darstellen, wie sie gefallen oder gewünscht werden. Jedem sollte das klar sein. Und die Position eines Philosophen ist normalerweise die, keine Position zu haben, sondern Fragen zu stellen und gut durchdachte Bedenken zu äußern, wenn er/sie auf fest betonierte Positionen trifft. Seine/Ihre Position kann keineswegs sein, sich an Verleumdungen zu beteiligen!
Mit nur zwei Äußerungen haben Sie einen sehr guten Artikel vollkommen zerstört. Schade…
Liebe Grüße Hanspeter Sperzel
PS: Der Leserbrief ist im Blog „NeoNikoManie“ veröffentlicht.
Wir brauchen mehr Meinungs- und Medienkompetenz
Unter progressiv denkenden Menschen wird immer wieder die Frage gestellt, wie man als Bürger seine Pflicht als Souverän wahrnehmen könne, wenn gar nicht gewährleistet ist, das alle Informationen, auf denen eine Entscheidung bei einer Wahl beruht, der Wahrheit, der Wirklichkeit oder schlicht auf Fakten beruht. In einer Zeit, in der ohne einen Aufschrei zu verursachen von „alternativen Fakten“ gesprochen werden kann, in der Lügengeschichten und Desinformationen verbreitet werden können, Verleumdung und Beleidigung an der Tagesordnung sich befinden und solche Kapriolen schneller vergessen sind als der letzte Besuch bei der Mutter im Seniorenstift ist das eigentlich ein Manko, das die Grundlagen der Demokratie, auch der Form, wie wir sie heute verstehen, in Frage stellt, wenn nicht gar zerstört.
Wir brauchen mehr Meinungs- und Medienkompetenz weiterlesenWenn ein Täter sich zum Opfer macht…
Zur besten Sendezeit in einem Sender des öffentlich rechtlichen Fernsehens, Arte, wurden die zwei Teile des US-Propagandafilms „Putin vs. USA“ ausgestrahlt. Und die Frage sollte gestellt werden, wer hinter diesen Machwerken wohl stecken könne. Zwei mit öffentlichem Geld gekaufte Lobbyfilme werden einem europäischen Publikum in der Manier einer Dokumentation vorgestellt. Es wird suggeriert, dass eine der drei Supermächte (zumindest von der Bewaffnung her) auf höchst aggressive Weise die Weltherrschaft mittels Desinformation, Geheimnisverrat und Fake-News anstrebt. Wenn ein Täter sich zum Opfer macht… weiterlesen
Neuwahlen statt Propaganda
Bisher war das Thema Propaganda im offiziellen Sprachgebrauch nur im Netz präsent und dann meist auf Kanälen und Seiten, die von der etablierten Presse und den Bildmedien gerne mal als Querfront, als Verschwörungstheorieportal oder als Egozentrik Darstellung angesehen, oder besser ausgedrückt denunziert wurden. Das ändert sich gerade. Wenn wie am vergangenen Wochenende Vertreter der an den Regierungsbildungsverhandlungen beteiligten Parteien ihre Ansichten in den Ether hinausblasen, was denn das zusammengestoppelte Papier wert sei, wozu es eigentlich erstellt wurde, wozu es als Grundlage dienen solle und sich dabei diffamierender und herabwürdigender Sprachwendungen bedienen, muss man feststellen, dass die Propaganda mittlerweile sogar in ihrer billigsten Form in den breiten Informationsmedien angekommen ist. Nicht dass es dort bisher keine Propaganda gegeben hätte, nein, aber bisher war das zumindest noch in professionellen Sprachgestalten versteckt und so ohne weiteres nicht offen erkennbar. Neuwahlen statt Propaganda weiterlesen
Medienkompetenz und sinnvolle Teilnahme an Wahlen.
In der arbeitsteiligen Welt, in der wir leben, gibt es für den einzelnen nicht genügend Raum und Zeit, alle seine wichtigen Tätigkeiten selbst zu erfüllen. Das Wesen dieser Gesellschaftsform ist es, Spezialisten in jedem Teilbereich die Arbeiten tun zu lassen, da diese über professionelle Ausrüstungen, große Erfahrung und Beständigkeit in der Qualität verfügen können. So kaufen wir das Brot beim Bäcker, die Wurst beim Metzger, lassen unser Auto in der Werkstatt reparieren, Verbrechen werden von Polizisten verfolgt, aufgeklärt und von Juristen bestraft, Auseinandersetzungen mit anderen Staaten übernehmen unser Soldaten.
Medienkompetenz und sinnvolle Teilnahme an Wahlen. weiterlesen
Propaganda, soweit das Auge reicht…
Es scheint langsam aber sicher überall Mode geworden zu sein, laut aufzuschreien und auch dazugehören zu wollen, wie das seit langer Zeit bei einfachen Gesprächen zu beobachten ist. Einer erzählt etwas, der nächste weiß ebenfalls etwas aus seiner Historie dazu beizutragen und so geht das große „Ich will auch… mitreden“ immer weiter. Nun ist das am Stammtisch nichts Neues und auch gar nicht allzu tragisch. Wenn allerdings die Artikel und Beiträge der Medien, die Aussagen der politischen Amtsträger und der Mainstream der öffentlichen Meinung nach eben diesen Mustern funktionieren (Könnte man auch Mob nennen!), dann ist Gefahr in Verzug.
Propaganda, soweit das Auge reicht… weiterlesen