Medienkompetenz und sinnvolle Teilnahme an Wahlen.

In der arbeitsteiligen Welt, in der wir leben, gibt es für den einzelnen nicht genügend Raum und Zeit, alle seine wichtigen Tätigkeiten selbst zu erfüllen. Das Wesen dieser Gesellschaftsform ist es, Spezialisten in jedem Teilbereich die Arbeiten tun zu lassen, da diese über professionelle Ausrüstungen, große Erfahrung und Beständigkeit in der Qualität verfügen können. So kaufen wir das Brot beim Bäcker, die Wurst beim Metzger, lassen unser Auto in der Werkstatt reparieren, Verbrechen werden von Polizisten verfolgt, aufgeklärt und von Juristen bestraft, Auseinandersetzungen mit anderen Staaten übernehmen unser Soldaten.

Informieren pflegen wir uns über Kaufangebote, das Wetter, über aktuelle Nachrichten und Vorkommnisse in der Welt bis hin zu Klatsch und Tratsch über die Medien bis hin zum Internet. Sogar die Regierungen und die Kontrolle über Ämter, Behörden sowie unsere Vertretung in Parlamenten haben wir an Spezialisten, Politiker abgegeben. Diese Arbeitsteilung war der Schlüssel zum Erfolg unserer Zivilisation. Wir in Europa, die mit dieser Art zu leben und zu handeln anfingen, sind bis heute noch die großen Nutznießer dieser Erfindung. Wir sind es gewohnt, so zu leben, gewohnt seit Generationen.

Heute jedoch stehen wir an einem Punkt, an dem wir einige unserer arbeitsteiligen Gewohnheiten überdenken sollten. Dazu gehörten ganz an vorderster Front die Aufgaben der Medien und damit der Journalisten und als zweiten Punkt die Aufgaben der Parteien samt denen der Politikern, die sie hervorbringen. Der nachfolgende Artikel beschäftigt sich einerseits mit der meinungsbildenden Kraft der Medien und andererseits den Politikern, die von dieser profitieren und auf dieser ihre Macht begründen können.

Das Swiss Propaganda Research hat einen Mediennavigator herausgegeben, der im deutschsprachigen Raum unsere Medienwelt geopolitisch und thematisch positioniert. Dabei verwenden die Macher ein Diagramm mit Pfeilen von NATO-kritisch bis NATO-konform sowie von konservativ bis egalitär. Dabei ist sehr deutlich zu sehen, dass sich unsere großen Spieler in der Medienlandschaft sich weit in den NATO-konformen Spalten links im Bild aufhalten. Kein großes und bekanntes Medienhaus kommt über die Spalte 4 von 10 auf der konformen Seite hinaus, und rechts der Mitte (NATO-kritische Seite) befinden sich nur wenig bekannte Namen, die noch dazu überwiegend  ausschließlich übers Internet agieren. Unsere Medien sind also NATO-konform ausgerichtet und man muss feststellen, dass diese Ausrichtung zumindest das Kriterium der Einseitigkeit erfüllt.

Was ist nun NATO-konform? NATO-konform bedeutet, dass diese Medien zu Krieg, Konflikten, zu weltpolitischen Fragen sowie Fragen der Zeitgeschichte ausschließlich eine sogenannte transatlantische Darstellung liefern, die überwiegend geprägt ist von der Position der USA in diesem Bündnis, die ja dort eine absolut vorherrschende Rolle spielen. Andere Sichtweisen werden seit Jahren zunehmend nur anklagend, abwertend und in Form von Verteufelungen dargestellt. Es sieht so aus, dass hierzu entweder Anweisungen vorliegen oder die Mitarbeiter so ausgesucht werden, dass diese Darstellungsweise garantiert ist. Ganz deutlich wurde das vor kurzer Zeit durch die Aussagen einen früheren Chef der ZDF-Hauptstadtstudios, der im Fernsehen bei Plasberg bestätigte, dass es Anweisungen bezüglich der meinungsbildenden Ausrichtung der Berichterstattung von „oben“ gibt. Weiterhin wurde bekannt, dass in Bild und Welt die Redakteure angewiesen wurden, keine antiamerikanischen Artikel zuzulassen. Antiamerikanisch bedeutet in diesem Zusammenhang scheinbar alles, was in irgendeiner Weise Kritik an der geopolitischen Ausrichtung der amerikanischen Administration sowie der NATO enthält.

Nun müssen wir uns fragen, ob diese Form von Nachrichtenvermittlung noch etwas mit freier Presse zu tun hat und ob weiterführend so eine freie Meinungsbildung noch möglich ist. Nun höre ich bereits die Fragen aufleuchten, ob und wie wir uns vor diesen Einseitigkeiten schützen können. Daher möchte ich einige Nachrichtenportale und Informationsquellen aufzeigen, mit und durch die ein Leser in der Lage ist, sich umfassend und perspektivisch neutral zu informieren. Leider ist das nicht ganz so einfach, denn NATO-kritische Portale und Zeitungen pflegen ebenso eine gewisse Einseitigkeit in ihren Berichten einzuhalten. Hier empfehle ich unter vielen anderen zusätzlich zu den klassischen Medien (Spiegel, Zeit, Süddeutsche, Frankfurter Allgemeine) die Nachdenkseiten oder das neue Portal Rubikon, um sich über Hintergründe (Rubikon) und kritische Sichtweisen (NDS) zu informieren. Sehr schön aus kritischer Sicht sind auch Berichte, Interviews und Überblicke im Portal KenFM, zu denen man aber, da als Videos in Stundenlänge eingestellt, etwas Zeit mitbringen muss.

Eine weitere Quelle zu einem medienkompetenten Verhalten sind wissenschaftliche und journalistische Vorträge von Professoren und Fachleuten, die über große Kompetenz und weiträumiges Hintergrundwissen verfügen. Hierbei sollte man aber nicht scheuen, auch Menschen zu Wort kommen zu lassen, die man in den schon erwähnten klassischen Medien als auch oft in Wikipedia als „Verschwörungstheoretiker“  1 diffamiert. Sehr professionelle und zum Nachdenken anregende Aktivisten sind in diesen Tagen Leute wie der Nahostexperte Michael Lüders oder der Historiker Daniele Ganser, die sich in ihren Quellen meist auf Dokumente derer stützen, die sie zu kritisieren pflegen.  Neben Büchern und Artikeln gibt es von den Genannten auch tiefschürfende Bücher. In den Links habe ich interessante Vorträge auf YouTube hinterlegt, die einen Einblick in die Arbeit dieser Wissenschaftler liefern. Eine weitere wunderbare Quelle ist der Psychologe, Wahrnehmungs- und Kognitionswissenschaftler Rainer Mausfeld, der mit legendären Vorträgen zu Thema Demokratie und Meinungsmanagement zum Nachdenken anregt. Hier gebe ich zwei Links in den Namen ein, weil beide Vorträge Aufklärung betreiben auf hohem Niveau. Es gibt neben diesen noch zahllose Quellen, und man wird, einmal mit der Recherche begonnen, immer weitergereicht.

Was ich mit diesem Artikel erreichen möchte ist die Einsicht, dass sich der Bürger heute nicht mehr darauf verlassen kann, mit seiner Zeitung oder dem Fernsehen umfassend informiert zu werden. Er wird, so er seine Pflicht als Souverän wahrnehmen will, sich besonders vor Wahlen eingehender mit den Hintergründen des politischen Geschehens und den Auswirkungen seiner Stimmabgabe befassen müssen als dieses zurzeit geschieht. Es ist eben nicht egal, ob ich eine Partei des Krieges oder eine des Friedens wähle, und die Parteien und ihre Vertreter werden nicht die Wahrheit sagen ob ihrer Absichten. Die Kehrtwende der Grünen von einer Ökologie- und Friedensbewegung zu einer den Krieg befürwortenden Organisation, von der SPD zu einer unsozialen Partei und der FDP von einer liberalen zu einer neoliberalen Gruppierung sollten als Argumente ausrechen. Wer hätte gedacht, das Fischer (Grüne) Soldaten in einen Angriffskrieg schickt (Jugoslawien), das Schröder (SPD) die Renten kürzt und die Konzerne beglückt und das eine liberale Kraft (FDP, zumindest dem Namen nach) nur noch Steuergeschenke verteilen will. Was ich empfehlen möchte ist die etwas aus der Mode gekommene Motivation zu haben, sich „für und wider“, „Absicht und Tat“, “Versprechen und deren Umsetzung“, „was hat wer gemacht und warum“ sowie die Hintergründe möglicher Antworten zu  erschließen und daraus konsequent seine möglichen Entscheidungen zu treffen. Und sollten bei Wahlen keine großen Parteien meine Ansicht vertreten, dann wähle ich eben eine kleine und mache sie, so viele es wie ich wollen, groß. Falsch zu wählen, wobei falsch bedeutet: „Gegen meine eigenen Interessen“, oder nicht zu wählen ist keine Lösung. Es stärkt nur die, die meine Interessen mit Füßen treten!

Vielleicht zum Schluss noch ein paar Grundsätze für Wahlen, wie ich sie für mich entschieden habe:

  • Ich wähle nur eine Partei, die meine Bedürfnisse und Wünsche vertritt. Dabei steht an erster Stelle der Wunsch nach Frieden: Nie wieder Krieg! Beim Ankreuzen spielt aber auch Strategie eine Rolle. Das könnten zum Beispiel eine starke Opposition, mögliche Koalitionspartnerschaften und Personen sein, die ich im Parlament zu sehen wünsche.
  • Eine Gruppierung oder Partei, die durch propagandistische Schlagworte zu steuern versucht, ist nicht wählbar. Angst zu schüren zum Beispiel vor Abstieg, Angst vor Überfremdung, Angst vor Krieg, Angst vor Putin oder dem Russen, Angst davor, abgehängt zu werden, nicht ernst genommen zu werden oder seinen Kindern keine Zukunft bieten zu können gehören ebenso dazu wie die Gewohnheit, den politischen Gegner propagandistisch wirksam zu verleumden oder zu beleidigen.
  • Wer Lügen verbreitet, wer heimlich kassiert, selbst besticht oder sich des Amtsmissbrauchs schuldig macht, wer den Souverän (z.B.: in einer Untersuchungskommission) hintergeht oder belügt, ist für mich nicht wählbar.
  • Der äußere Eindruck oder die gebildete Sprache eines Politikers sind unwesentlich. Wichtig sind seine Absichten, seine Einstellung und die Taten, die er darauf hin folgen lässt.
  • Wer in öffentlichen Diskussionsrunden sitzt und dort seine Gegner nicht aussprechen lässt, wer dort falsche Fakten zu verbreiten gedenkt und wie schon geschrieben verleumdet und beleidigt, ist für mich nicht wählbar.

Schauen Sie hin, wer sagt was, wann und warum, was sind sein Absichten, wie verhält er sich in der Verantwortung eines Amtes, gerät er in Widersprüche, dreht sich seine Meinung im Strom des Mainstream, erscheint er gradlinig und ehrlich, nur dann ist er wählbar. Herbert Wehner war bestimmt kein smarter Junge, er war grob, oftmals heftig in der Aussprache und hart in der Diskussion, und doch war er ein Mann des Volkes, ein Mann, der für seine Wähler kämpfte. Ich habe nie gesehen, dass er sich im Winde drehte oder bei einer Debatte fehlte. Nur das ist entscheidend. Solche Menschen gibt es auch heute. Finde sie und wähle entsprechend. Die Grundlage dafür ist Medienkompetenz. Bitte nehmen Sie sich Zeit dafür!

  1. Mit dem Wort Verschwörungstheoretiker beschäftige ich mich noch genauer in einem späteren Artikel.

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