Wir brauchen mehr Meinungs- und Medienkompetenz

Unter progressiv denkenden Menschen wird immer wieder die Frage gestellt, wie man als Bürger seine Pflicht als Souverän wahrnehmen könne, wenn gar nicht gewährleistet ist, das alle Informationen, auf denen eine Entscheidung bei einer Wahl beruht, der Wahrheit, der Wirklichkeit oder schlicht auf Fakten beruht. In einer Zeit, in der ohne einen Aufschrei zu verursachen von „alternativen Fakten“ gesprochen werden kann, in der Lügengeschichten und Desinformationen verbreitet werden können, Verleumdung und Beleidigung an der Tagesordnung sich befinden und solche Kapriolen schneller vergessen sind als der letzte Besuch bei der Mutter im Seniorenstift ist das eigentlich ein Manko, das die Grundlagen der Demokratie, auch der Form, wie wir sie heute verstehen, in Frage stellt, wenn nicht gar zerstört.

Ich habe mir lange Gedanken gemacht, wie sich das Unbehagen, das ich beim Lesen, Hören/Sehen der alltäglichen Nachrichten mittlerweile empfinde, beschreiben lässt, ohne in die Formen von Feindbildern, Vorwürfen, Anklagen oder „Verschwörungstheorien“ 1 zu verfallen. Und ich habe versucht, mich zu erinnern an all die vielen Skandale der näheren Vergangenheit, die mich geradewegs zu dem benannten Unbehagen geführt haben.

Was mich zum Beispiel zunehmend nervt, mich vielleicht sogar etwas aggressiv macht ist die Tatsache, das ich eigentlich keiner Zeitung, keinem Magazin und keinem Portal mehr trauen kann, weil eine jede davon nur noch Spartenberichterstattung macht oder überdeutlich einseitig ausgerichtete Weltanschauungen vertritt. So kann eigentlich den Spiegel in D niemand mehr trauen, wenn der Bericht, der Artikel irgendwie etwas mit Russland zu tun hat. Gleiches gilt für viele Medienprodukte bis hinein in die öffentlich rechtlichen Nachrichtensendungen. Und natürlich berichtet RT und Pars Today ebenso einseitig ausgerichtet. Doch während die letztgenannten ihre Richtung klar im Namen tragen, wird das bei sogenannten Qualitätsmedien schlicht unterschlagen. Es muss doch eindeutig die Frage erlaubt sein, warum Reportagen der Großen in D nahezu immer Nato-konform ausfallen, warum immer Russland und neuerdings auch China immer die Bösen sein sollen, warum Trump nur schlecht gewesen sein soll und Biden wie ein Erlöser gefeiert wird. In einer aufgeklärten Welt muss doch mehr als bekannt sein, dass das so nicht stimmen kann. Was ist also los bei unseren Medien. Ist es wirklich so schwer, alle Parteien eines Konflikts, einer Begebenheit oder eines Ereignisses zu Wort kommen zu lassen? Ist es wirklich schwer, der Argumentation eines politischen Gegners zu folgen und zumindest den anderen Standpunkt verständlich darzustellen? Viele Artikel heutzutage sind daher nur unter Vorbehalt glaubwürdig. Viele Nachrichtenportale zeigen einseitige Themenauswahlen und messen scheinbar mit unterschiedlichen Maßbändern. Und dabei sind die vielen Lügen, die in vollen Bewusstsein durch den Äther geschickt werden, noch gar nicht genannt. Vielleicht kurz drei Beispiele, stichwortartig genannt, die den letztgenannten Punkt klar belegen und aufzeigen, und zeigen, wie selbst Wikipedia darüber schreibt:

  • Da ist zunächst einmal die Geschichte des Spiegel-Schreibers Claas Relotius, der für seine Reportagen vielfach ausgezeichnet wurde und von den aufgedeckt wurde, das „es sich bei vielen seiner Arbeiten um Fälschungen handelt (Wikipedia: Claas Relotius). Die Liste seiner Fälschungen ist lang.
  • Dann wäre auf jeden Fall zu erwähnen die fette Lüge von Colin Powell vor den UN-Sicherheitsrat, deren Wirklichkeit von der US-Regierung und auch dem Lügner selbst mittlerweile offen zugegeben wird. Diese Lüge hat im Irak Tausenden von Menschen das Leben gekostet. In den US wird das als Husarenstück und als nicht besonders verwerflich angesehen. Powell selbst hat das auch nicht geschadet. Das alles kann dezidiert bei Wikipedia nachgelesen werden (Wikipedia: Begründung_des_Irakkrieges).
  • Und vielleicht als letztes hier die Brutkastenlüge, die auf der ganzen Welt verbreitet wurde und die neben anderen Argumenten zur Rechtfertigung eines Krieges (Irak-Kuwait, Zweiter Golfkrieg) herangezogen wurde. Auch hier gibt es Wikipedia einen umfangreichen Artikel (Wikipedia: Brutkastenlüge). Später stellte sich dies als Erfindung der amerikanischen PR-Agentur Hill & Knowlton heraus.

Nun ist Wikipedia-DE nicht gerade dafür bekannt, „allzu kritisch“ mit westlicher Politik und deren Affären umzugehen, eher das Gegenteil ist der Fall.

  1. Dazu gehört scheinbar alles, was dem Mainstream widerspricht und unser Gut-Menschenbild in Zweifel zieht.

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