Über Propaganda und andere Mittel der Spaltung

Wenn wir heute die Reaktionen und Meinungen in den Medien wie TV und Presse, in Sozial Media, Blogs und Websites einmal genau beobachten und dann deren Auswirkungen auf Politik und Mainstream genau verfolgen, wird uns auffallen müssen, das nicht die Gegenrede oder die darauf folgende Diskussion eine Folgewirkung entfaltet, sondern das es eher die Klickzahlen und der Bekanntheitsgrad der Agierenden einflussreiche Größen darstellen, die zu Reaktionen und/oder einer Beschäftigung mit aktuellen Themen herausfordern.

Sehr deutlich ist das zu sehen, wenn Krisenzeiten wie jetzt Corona in den Medien gefahren werden, wenn große Sportveranstaltungen die Beschäftigung mit den Medien dominieren oder wenn Wahlen oder andere weitreichenden Entscheidungen anstehen. Immer wenn die Medien auf ein Thema fokussiert sind, treten alle anderen Fragen weit in den Hintergrund und man erntet als umfassend informierter Bürger in Unterhaltungen eher einen unverständlichen Blick, wenn man abseits des Medienstroms zu einem Thema zu sprechen wünscht. Dieser Effekt schlägt sich auch in den Umfrageergebnissen nieder, wie gerade wieder zu sehen ist. Die regierenden und damit tonangebenden Parteien erholen sich, kritisch zur aktuellen Tagespolitik eingestellte Parteien sinken in den Ergebnissen, stagnieren oder dümpeln auf niedrigem Niveau vor sich hin. Zur Zeit erholt sich nur die immerzu in den Medien präsente CD(S)U, unter anderem deshalb, weil sie in der Regierung die Positionen einnimmt, die gerade in aller Munde sind; die Linke, die SPD und die AfD dümpeln; die Grünen verlieren gerade ihrem Höhenflug. Eine weitere Beobachtung ist wesentlich für die politische Entwicklung unserer Tage, und das ist die immer wiederkehrende Frage, ob Sicherheit, Leben oder Wirtschaft, Frieden und/oder Freiheit das dominierende Motiv der vorherrschenden Weltsicht darstellen. Und es geht immer um die Frage, wie diese Motive ausgestaltet werden könnten. Diese Fragestellungen stellen sich heute in nahezu allen Kulturen weltweit. Mit der Spaltung der Anhänger in Fraktionen und der nachfolgenden Gegnerschaften zu den jeweils anderen geht dann auch eine steigende Verrohung der Diskussionskultur einher, wo die eine Fraktion die von der Masse, dem Mainstream oder vom gerade vorherrschenden politischem Dogma nicht getragene Meinungen abwerten, als Verschwörungstheorien denunzieren oder diese sogar in die kriminelle Ecke stellen. Die angegriffene Fraktion wehrt sich gegen diese Diskreditierung und antwortet ebenfalls mit Anschuldigungen und verfängt sich so mit noch angreifbareren Äußerungen. Diese wiederum diskreditieren die Kritiker zusätzlich und spielt damit einigen selbsternannten Meinungsmachern zusätzlich in die Hände.

Meiner Ansicht nach können daher verleumdende Kampagnen, um zum Thema zurückzukehren, nur Erfolg haben, wenn ihre Artikel und Beiträge ein Echo in der Bevölkerung und den kritischen Medien hervorrufen. Oder um es etwas deutlicher zu formulieren: In der Regel werden gezielt provokante Äußerungen in der Öffentlichkeit getätigt, um Fürsprecher und Gegner in Fraktionen zu spalten, die sich in der Folge zunehmend unversöhnlich gegenüberstehen und sich permanent beharken. Das führt zu Echo, Kommentaren und Klicks, anders ausgedrückt: zu öffentlicher Präsenz. Das ist schon lange üblich und wird auch hundertfach in den Medien zelebriert, da es nämlich gar nicht mehr auf Inhalte anzukommen scheint, sondern einzig und allein die Präsenz und dem damit verbundenen Bekanntheitsgrad den Einfluss auf Politik und Gesellschaft begründen. Folgte diesen Beiträgen niemand mehr, würden die provozierenden Aussagen nicht mehr diskutiert oder angegriffen, würde nicht mehr kommentiert, verschwänden sie ganz schnell im ungelesenen Teil der Weltpresse. Wir leben, um zu wiederholen, in einer schnellen Medienwelt. Berichtet und präsentiert wird nur über Ereignisse, die ein Medien-Echo hervor bringen oder die als Sensation behandelt werden können. Kein Echo, keine Berichterstattung. Propaganda, die unbeachtet bleibt, ist wirkungslos.

Die Urheber von Kampagnen gegen ihnen nicht genehme Meinungen berufen sich zwar auf die demokratische Freiheit, aber sie folgen dieser nicht, denn Meinungsfreiheit gilt immer nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen. Sie berufen sich im Gegenteil auf das Dogma, das Freiheit nur in Einheitlichkeit und/oder zum Beispiel Patriotismus und dergleichen zu suchen sei, wobei diese Einstellung sich selbst wie selbstverständlich zugestanden, sie aber allen anderen abgesprochen wird. „Natürlich“ ist es, um ein markantes Beispiel zu formulieren, der Nato und den westlichen Staaten gestattet, weltweit Einfluss zu nehmen, die eigene Macht rücksichtslos einzusetzen, weltweit zu denunzieren, zu erpressen, zu entführen, zu morden und Falschnachrichten zu verbreiten, kurz gesagt, Propaganda, Geo- und Kriegspolitik mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu betreiben. Und ganz „selbstverständlich“ dürfen andere Staaten das unter keinen Umständen in gleicher Weise tun, und schon gar nicht dann, wenn sie sich einer anderen Kultur oder einem „nicht-demokratischen“ System zugehörig fühlen. In Wirklichkeit spionieren aber alle Staaten, wir im Westen auch, und alle Organisationen nehmen Einfluss und haben das Wohl ihrer eigenen Bürger/Mitglieder mehr im Fokus als das Wohl der Menschheit. Das ist auf der Welt weit verbreitet und wird als ganz normal empfunden. Genau dafür wurden die vielen Organisationen ja gegründet. Das ist nicht vernünftig, aber leider die Norm, und an der sollten wir in der Alltagsbetrachtung auf keinem Fall vorbeisehen. Und wir sollten solchen Aktivitäten nicht auf den Leim gehen, indem wir uns dann in „angeblicher“ Unwissenheit eifernd mit ihnen beschäftigen.

Wenn wir uns wirklich aktiv politisch betätigen wollen, sollten wir stets darauf achten, nur noch für etwas zu sein und nicht immerzu gegen etwas.

Es sind doch diese Umdeutungen, die, geschickt gesetzt, allgemeine Zustimmungen erzeugen.

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