Was wir brauchen ist eine andere geistige Kultur

Nachdem so langsam klar wurde, das das Militär die Krisen nicht zu lösen vermag, begannen die westlichen Staaten ihre übergroße Finanzmacht (2) als Waffe einzusetzen. Am Beispiel Russland war wohl der Plan, das Land so wirtschaftlich unter Druck zu setzen, bis die Bevölkerung dort in Not gerät und durch deren Proteste ein Regierungswechsel möglich würde. Dazu wurden Handelsbeziehungen gekappt, Politiker und Intellektuelle sanktioniert, diplomatische Kontakte unterbrochen und ein unwirkliches Propaganda-Instrument über die Medien initiiert. Die EU-Staaten zum Beispiel haben mittlerweile das 20. Sanktionspaket beschlossen und abgenickt. Die Wirkungen waren absehbar: Sie haben die EU-Staaten wirtschaftlich dem Bankrott einen großen Schritt näher gebracht und Russland so gut wie nicht geschadet. Als das langsam den westlichen Eliten klar wurde, haben sie die Konfliktpartei Ukraine mit immer moderneren und weiterreichenden Waffen ausgestattet, um Russland auch tief im Hinterland schaden zu können. Wie das letztlich ausgehen wird, bleibt abzuwarten. Wenn man bedenkt, das Russland über Waffen verfügt, die bis zum Atlantik fliegen können und denen die westlichen Träumer nichts entgegensetzen können, ist das wohl als ein All-In mit einer Bluff-Karte anzusehen. Aber zurück zu den Finanzen. Die global vorherrschende Leitwährung war über Jahrzehnte der amerikanische Dollar. Er ermöglichte es den USA, extrem hohe Schuldenberge anzuhäufen. Heute wenden sich immer mehr Handelspartner vom Dollar als Zahlungsmittel ab und verwenden die eigene oder eine Währung eines befreundeten Staates. Der Westen selbst hat aber nicht mehr so viele Freunde in der Welt. Das wird nicht nur für den Dollar, sondern auch für die anderen westlichen Währungen große Konsequenzen haben. Sie müssen, um Handel treiben zu können, fremde Währungen einkaufen, was den Handel insgesamt teurer werden lässt. Keine Freunde in der Welt, keine Finanzen als Druckmittel und ein hoher Bedarf an außer-westlichen Waren, das ist eine schlechte Ausgangslage schon heute, und keine Alternative ist in Sicht. Ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird. Meine Prognose: Großer Krieg oder wirtschaftliches Desaster. Beides gefällt mir ganz und gar nicht. Was notwendig wäre ist sich von Militär- und Finanzkriegen abzuwenden und auf Augenhöhe zu versuchen, den angerichteten Schaden zu reparieren. Dazu bräuchte es Diplomatie und politische Offenheit. Die aber sind im Westen nahezu verloren gegangen. Dazu kommend haben durch Propaganda und alternativlose wirtschaftliche Interessen sprich „Alles-oder-nichts-Konzepte“ die politischen Kreise wohl die Sicht zum Boden verloren. Und die umfangreichen politischen Hilfsmannschaften (PMC, siehe unten) sind so tief in ihrer Dogmatik verankert, das sich hier in absehbarer Zeit nichts wird ändern lassen. Erbärmlich.

Ich habe oben in der Einleitung von Anfängen demokratischer Gesellschaftssysteme (3) gesprochen und damit auch und besonders die westliche Staaten gemeint. Ist die „Regierung durch das Volk über das Volk und für das Volk“ in irgendeinem Staat der Welt einschließlich des Westens gegeben. Davon, sorry (Neudeutsch: leider oder tut mir leid) sind wir noch immer und immer mehr sehr weit entfernt. Das Volk geht alle paar Monate mal wählen und muss sich dann immer wieder damit abfinden, das Wahlversprechen gebrochen werden und hat 4-5 Jahre lang keine Möglichkeit, das zu ändern. Es wird dabei noch nicht einmal nach seiner Ansicht gefragt. Auch die Tatsache, das eine sehr große Mehrheit -durch Meinungsumfragen festgestellt- schon heute mit den Regierenden unzufrieden ist, erreicht noch nicht einmal die Wahrnehmung durch die Gescholtenen. Die machen einfach weiter wie zuvor, und das Schlimmste daran ist: Sie werden höchst wahrscheinlich wiedergewählt. Ist das Demokratie oder schon Verzweiflung? Es gibt keine Demokratie in der Wirtschaftswelt, keine Demokratie in nahezu allen politische Sparten und wir haben keine Medien mehr, die dieses Manko sichtbar machen. Wenn wir unsere Demokratie beurteilen wollten, sollten wir ihren Gegensatz uns einmal genau anschauen, denn vergleichen kann man ja nur Alternativen. Das größte Gegensatz zur Demokratie ist der Faschismus, oder? Den bekämpfen wir heute ja besonders gerne. Ich habe mir mal ein paar Kriterien herausgesucht, die Faschismus definieren. Sie stammen von Umberto Eco und Robert Paxton 1 und werden unformatiert zitiert:

Umberto Eco: Seine zentrale These: Faschismus ist kein System, sondern ein Set von wiederkehrenden Elementen, die sich in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten kombinieren lassen. Er identifiziert 14 solcher Merkmale:

1. Kult der Tradition: Wahrheit liegt in einer idealisierten Vergangenheit.

2. Ablehnung der Moderne: Rationalismus und Fortschritt gelten als Verfall.

3. Kult des Handelns um des Handelns willen: Aktion ist besser als Reflexion.

4. Ablehnung kritischen Denkens: Kritik wird als Verrat diffamiert.

5. Angst vor Differenz: Vielfalt gilt als Bedrohung, nicht als Ressource.

6. Appell an eine frustrierte Mittelschicht: Sozialer Statusverlust als Mobilisierungskraft.

7. Obsession mit Verschwörungen: Eine geheime Elite bedroht das Volk.

8. Feindbildkult: Identität wird durch Hass auf das Andere erzeugt.

9. Gleichzeitiger Elitismus und Populismus: Das „wahre Volk“ vs. „korrupte Eliten“.

10. Leben als permanenter Krieg: Frieden bedeutet Dekadenz.

11. Verachtung der Schwäche: Empathie wird diskreditiert.

12. Kult des Heldentums und Todes: Märtyrertum als Ideal.

13. Machismo und Waffenkult: Männlich konnotierte Gewaltästhetik.

14. Manipulation der Sprache („Newspeak“): Sprache wird simplifiziert und propagandistisch aufgeladen.

Ich beschränke mich auf die aktuellen Zustände in Deutschland mit Schwerpunkt auf der Bundespolitik. Einen „Kult der Tradition“ (1) haben wir bereits. Ein Großteil der Menschen wünscht sich eine Rückkehr zu den Kanzler-Zeiten von Helmut Schmidt, wo angeblich noch alles noch in Ordnung war. Auch die „Ablehnung der Moderne“ (2) ist bereit zu verspüren, denn weite Kreise der Gebildeten sehen sich heute in einer postmodernen Welt leben. Fake-News und Alternative Fakten, 25 Geschlechter und eine „Alles-ist-möglich-Philosophie“ lassen grüßen. Und auch der „Kult des Handelns um des Handels willen“ (3) ist bereits in Deutschland angekommen. Wir liefern weiter Waffen an die Ukraine, obwohl der Krieg bereits mehr als verloren ist, stellen sie auch noch in Deutschland her und bedenken nicht, bei wem die Waffen explodieren sollen/werden. Wenn die erste Oreschnik in eine deutsche Waffenschmiede einschlägt, ist es wohl zu spät. Auch die „Ablehnung kritischen Denkens“ (4) ist in unserer heutigen Kultur nahezu überall vorzufinden. Versuchen Sie mal, aus der Perspektive eines Advocatus Diaboli öffentlich zu diskutieren. Kleinste Beleidigungen an Politikern werden strafrechtlich verfolgt, Redner werden ausgeladen, Veranstaltungen von Kritikern werden gestört oder abgesagt. Wir haben eine Sprachpolizei (Correctiv), die, wenn sie gegenüber Kritikern nichts findet, einfach schnell selbst etwas erfindet, das dann propagandistisch ausposaunt und selbst dann, wenn ein Gericht das (mal) aufnimmt und verbietet, selbiges nicht klargestellt. Wir sperren Kritikern die Konten, verleumden selbige in Medien und Netz und lassen auf allen Kanälen gefügige Komödianten gegen unsere Feinde hetzen (Kunstfreiheit). Von Punkt 1-5 sind wir bereits fündig geworden. Bei den Punkten 5-7, (Angst vor Differenz, Appell an eine frustrierte Mittelschicht, Obsession mit Verschwörungen) wird es etwas komplizierter, denn diese Punkte sind nur dann von Belang, sofern sie auf die politischen Feinde der Mehrheit (Neudeutsch: Mainstream) angewendet werden, also oppositionelle Politiker, Verschwörungstheoretiker, Putin-Freunde). Es gibt die Ablehnung kritischen Denkens also, aber nicht für alle. Den Punkt 9 finden wir so wie formuliert nicht vor (Gleichzeitiger Elitismus 2 und Populismus), oder wir verkehren den zweiten Satz (Das wahre Volk vs. korrupte Eliten) einfach um, bestätigen dann Elitismus und Populismus und beschreiben das wie folgt: Korrupte Eliten vs. das einfachen (wahre) Volk.

  1. https://fexbw.de/faschismus-definition-analyse-politische-bildung/
  2. Als Elitarismus oder Elitismus bezeichnet man eine Ideologie, bei der eine Person glaubt, einer Elite anzugehören, und sich elitär zu verhalten versucht. Sie definiert sich im Gegensatz zum Pluralismus.

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