Totschlagargumente und verdrehte Selbstwahrnehmung

In vielen Berichten, in Zeitungen und Magazinen und den Nachrichten der Fernsehsender werden immer wieder die Internet-Portale, und dabei ganz besonders sogenannte „alternative“ Medien als Verursacher von Fake-News, von Verschwörungstheorien und staatsgefährdenden Enthüllungen genannt, denn dort treiben neben Putin-Verstehern, Antiamerikanern und Antisemiten auch Verfassungsfeinde und andere radikale Elemente ihr Unwesen. Nun bin ich regelmäßig im Netz unterwegs und ich muss sagen, dass diese Darstellung nicht zutreffen kann.

Das ist für mich auch deshalb so eindeutig, weil ich nur noch im Netz und gerade bei den genannten alternativen Medien wie Rubikon oder Nachdenkseiten umfassende Hintergrundrecherchen vornehmen kann. Unsere nach dem Pressetag so hochgelobte freien Qualitätsmedien berichten in meiner Beobachtung nur oberflächlich, und wenn dann einmal etwas mehr Material geliefert wird, ist selbiges einseitig auf die atlantische Sichtweise der Welt ausgerichtet und/oder kennt kein kritisches Hinterfragen. Das es in Fragen der Gestaltung von grundsätzlich relevanten Fragen der Staats- und Wirtschaftsformen andere Ansichten geben könne als die repräsentative Demokratie und den globalisierten Markt, scheint vollkommen unbekannt zu sein und findet daher keinerlei Repräsentanz. Im Grunde genommen hat diese Gewohnheit für mich erst zum Nutzen der alternativen Medien aufgefordert. Kritische Stimmen gibt es aber zuhauf, in Buchhandlungen liegen deren Bücher aus, in Diskussionsrunden sind diese Kritiker vertreten (und werden dort von Lobbyisten regelrecht niedergewalzt…), und sogar einfach nur der klassischen Logik folgend werden immer wieder widerwärtige Brüche deutlich. So gab es nach Polizeistatistiken gar keinen Anstieg der Kriminalität durch Einwanderung wie behauptet, kommt politisch motivierte Gewalt eher von rechts und nicht von links wie behauptet (Die Opferzahlen sprechen dazu eine deutliche Sprache…), und das Gros der Rechtsverstöße, von Offizialdelikten einmal abgesehen, von gefälschten Abgaswerten über verletzte Arbeitnehmerrechte bis zu Steuerbetrug und Abzocke werden hauptsächlich von der Wirtschaft und ihren Vertretern begangen. Nur scheint all das in diesem Lande niemand wirklich zu stören. Zwar werden ermittelte Verstöße berichtet, aber Forderungen bezüglich einer Einstellung dieser kriminellen Handlungen werden in den Qualitätsmedien wie auch in deren Netzrepräsentanz nie wirklich erhoben.

Für mich ist somit klar, dass die Medien ihrer Aufgabe, Nachrichten zu sichten, zu erläutern und zu präsentieren vorsichtig gesagt nur eingeschränkt und einseitig nachkommen (Nato, USA), und teilweise auf Erläuterung und Präsentation sogar ganz verzichten. Nur die Nachricht zu senden und auf Interpretationen und Hintergründe nicht einzugehen (wie bei Gewalt von rechts und Wirtschaftskriminalität) ist für mich weit mehr als Verzicht, sondern kann bereits als Manipulation gewertet werden. Kritische Stimmen sind aber wichtig für eine Demokratie, daher müssten sie eigentlich einen ausreichenden Raum in der Berichterstattung finden. Oft gelesene Totschlagargumente wie Verschwörungstheorie, fake-news und Antiamerikanismus und deren inflationäre Verwendung Kritikern gegenüber wirken auf mich wie Propaganda.

Das, verehrte Vertreter der Qualitätsmedien, ist die am häufigsten gebrauchte Form der Kritik an ihrem Tun, und es ist nicht so, dass den Rufern von „Lügenpresse“ oder „Wir sind das Volk“ in großer Breite auf den Leim gegangen wird. Die Einseitigkeit ihrer Berichterstattung, die Scheukappen gegenüber bestimmten logischen Schlussfolgerungen und die als alternativlos angepriesene Marktkonformität belastet die Akzeptanz zwischen Bürger und Journaille.

Nicht der Leser, sondern der Schreiberling ist das Problem. Er hat sich nämlich vom Bürger und seinem Recht auf Wahrheit längst verabschiedet und findet scheinbar Wohlgefallen am Duckmäusertum den Eliten gegenüber, zu denen er entweder selbst schon längst gehört oder bald gerne gehören würde.

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