Entscheidungssysteme und deren Grundlagen

Auch Wikipedia bietet eine Definition der Win-Win-Lösung an.

Nicht immer müssen die streitenden Parteien Forderungen aufgeben. Eine höhere Form der Konfliktlösung, als es der Kompromiss ist, ist die Win-Win-Lösung, bei der beide Konflikt-Parteien nicht nur das bekommen, was sie wollen, sondern etwas darüber hinaus. Beispielsweise indem sie ein gemeinsames Ziel gemeinsam oder sich gegenseitig ergänzend verfolgen. Oder indem sie sich gegenseitig Akzeptanz, Anerkennung und Wertschätzung schenken und die Beziehung zueinander in den Vordergrund stellen, und so gemeinsam Lösungen finden, an die sie vorher noch gar nicht gedacht hatten.

Wir finden jetzt zum Konsens zwei Definitionen, die sich wesentlich unterscheiden, sich jedoch stets auf das Gleiche beziehen. Das Beispiel oben (Die Gesellschaft braucht dein Grundstück) zeigt das mehr als deutlich. Was Win-Win von Konsens in den Definitionen unterscheidet, ist einerseits die Benennung der noch offenen Punkte im Konsens und die Tatsache bei Win-Win, das, da beide Parteien einen Gewinn einstreichen, dieser Gewinn doch wohl nur von einem oder mehreren Dritten abgezweigt werden kann. Offene Punkte könnten zum Beispiel durch Ausnahmeregelungen gelöst werden. Ein beidseitiger Gewinn aber muss ja irgendwoher kommen. Ausnahmen verursachen Kosten, da scheint es dann doch vorteilhafter zu sein, die Kosten für den beiderseitigen Gewinn auf möglichst unbeteiligte Dritte abzuwälzen. Das kann sehr schön an der Sektsteuer abgelesen werden, wo der Bedarf der Marine auf die abgewälzt wurde, die gerne mal zum Sektglas greifen. Oder in neuerer Zeit kann das an den Renten abgelesen werden, die geplündert wurden, als die Kassen voll aufgefüllt waren, bis dann, als die geburtenstarken Jahrgänge folgten, kein Geld mehr da wahr, um die Unkosten zu decken und die Renten gekürzt werden mussten. In beiden Fällen bezahlten Unbeteiligte die Rechnung.

Fazit (Entscheidungssysteme): Bei Entscheidungen der Form „rechts oder links“ wäre ein Kompromiss unumgänglich. Bei vielschichtigeren Entscheidungen wäre generell der Konsens anzustreben, und das ohne in die Falle des Abwälzens zu Lasten Dritter zu geraten. Es ist schon sehr aussagekräftig, das die Herausforderung der Konsens-Herstellung heute selten bis gar nicht mehr angenommen wird. Der Kompromiss ist trotz seiner Schwächen vorherrschend. Win-Win-Lösungen ohne Verlierer sind sehr selten anzutreffen. Gewinnen ohne gleichzeitig irgendein Verlieren zu generieren ist nun einmal nicht möglich.

Die bisherigen Texte waren fokussiert auf die Formen einer Entscheidungsfindung, wo von „entweder/oder“, Kompromissen, Konsensfindung und Win-Win-Lösungen die Rede war. Doch ist diese in einer Problemstellung, einer Aufgabe oder Neuorientierung stets nur die letzte Runde. Daher möchte ich mir jetzt zunächst einmal drei gesellschaftliche (politische) Bewegungen vornehmen, mit denen wir uns heute immer wieder auseinander zusetzen haben und die zusammen mittlerweile von der Bedeutung her ein dichtes Gewebe darstellen, das nahezu undurchdringlich erscheint. Ich meine Konservatismus, Liberalismus und Sozialismus.

Konservatismus (selten Konservativismus; von lateinischconservare „erhalten“, „bewahren“ oder auch „etwas in seinem Zusammenhang erhalten“) „ist ein Sammelbegriff für geistige und politische Bewegungen, welche die Bewahrung bestehender oder die Wiederherstellung früherer gesellschaftlicher Ordnungen zum Ziel haben“. Dem Konservatismus liegt „der Gedanke einer auf friedliche Evolution 1 hin angelegte politische und geistige Kontinuität und einer Orientierung an bewährter, historisch gewachsener Tradition“ zugrunde. Wikipedia

Diese Definition des Konservatismus spiegelt nicht die Form, der entsprechende Gedankengänge des Erhaltens oder Bewahrens des Bewährten zugrunde liegen, wie das die lateinische Ableitung vermuten lässt, sondern beschreibt lediglich eine heute in defizitärer Weise gelebte Vorstellung, die sich darauf bezieht, das jegliches Alte zu erhalten und prinzipiell das Neue zu meiden oder zurückzufahren sei. Dieses Erhalten bezieht sich wie das Zurückfahren auch nahezu ausschließlich auf Macht und Besitzverhältnisse. Nun bestehen aber Gesellschaften nicht ausschließlich auf solchen Erscheinungen. Gesellschaften bestehen auch heute noch aus Schichten, die sich total über Macht- als auch über die Besitzverhältnisse, die ihnen zur Verfügung stehen, definieren. Auch keine Verfügung über etwas zu haben ist Bestandteil einer Definition. Meist herrscht eine zahlenmäßig kleine Oberschicht mit Hilfe mehrerer kleiner, aber relativ hoch angesiedelten Schichten über die Masse der Besitz- und Machtlosen. Die Idee eines Konservatismus aber besagt, das das Bewährte vom Prinzip her zu erhalten sei, sich aber Anpassungen an die Zeit, die Umstände oder Zielvorstellungen, die durch Evolution sprich Entwicklung entstehen, anpassen müsse.

Der Liberalismus (lateinischliber, libera, liberum‚frei‘; liberalis „die Freiheit betreffend, freiheitlich“) ist eine Grundposition der politischen Philosophie und eine historische und aktuelle Bewegung, die eine freiheitliche politische, ökonomische und soziale Ordnung anstrebt. Aus liberalen Bürgerbewegungen gingen in vielen Ländern erstmals Nationalstaaten und Demokratien hervor. Die Amerikanische Revolution, die Französische Revolution und die deutsche Revolution 1848/49 sind zum Teil konkrete Folgen liberaler Überlegungen auf politischer Ebene. Wikipedia

Der Liberalismus konnte sich in keiner Zeit und keiner Gesellschaft grundlegend behaupten und sprang mehr und mehr aus der Grundposition von Freiheit über in die Spartenposition „Freiheit für das Kapital“. Der Liberalismus des dritten Jahrtausends hat sich zu einer Parteiensparte entwickelt, die bevorzugt junge Unternehmertypen an sich zieht, die sich eigentlich nur noch mit einem freiheitlichen sprich unregulierten Kapitalismus identifizieren. Von Freiheit generell, also für alle Schichten, fehlt heute jede Spur. Da ist auch nichts Neues hinzugekommen. Für mich hat der Liberalismus heute aus einer einst guten Ideenfülle nur noch den Lobbyismus zurückbehalten. Als eine Idee zur Bildung einer Gesellschaft reicht das nicht mehr, da wesentlich Teile wie Gerechtigkeit und Gleichheit nicht einmal ansatzweise mehr vorhanden sind bzw. angestrebt werden. Bleibt ein letzter Blick in Wikipedia:

Einen kleinsten gemeinsamen Nenner des Begriffs können folgende Definitionen geben: „Sozialismus bezeichnet Ideologien, welche die Überwindung des Kapitalismus und die Befreiung der Arbeiterklasse aus Armut und Unterdrückung (soziale Frage) zugunsten einer an Gleichheit, Solidarität und Emanzipation orientierten Gesellschaftsordnung propagieren.“
„Er definiert die als Gegenmodell zum Kapitalismus entwickelte politische Lehre, die bestehende gesellschaftliche Verhältnisse mit dem Ziel sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit verändern will, und eine nach diesen Prinzipien organisierte Gesellschaftsordnung sowie eine politische Bewegung, die diese Gesellschaftsordnung anstrebt.“Wikipedia

Wie der Konservatismus und der Liberalismus ist der Sozialismus keine Ideologie 2, sondern mehr eine Grundposition gesellschaftlich Denkens. Ideologie hat heute einen negativ besetzten Wert und wird regelmäßig zur Dämonisierung eines Gegners herangezogen. Auch hat ein wie immer angestrebter Sozialismus niemals gegen das Modell des Kapitalismus gestritten, sondern lediglich defizitäre Seiten desselben an den Pranger gestellt. Gegen die Befreiung der Arbeiterklasse, die heute „Die-Kleinen-Leute“ heißt, aus Armut und Unterdrückung gibt es doch gar nichts einzuwenden. Auch gegen die Ziele soziale Gleichheit und Gerechtigkeit gibt es nichts einzuwenden, auch gerne in einer kapitalistisch orientierten ökonomischen Form. Auch kann ich mir einen sozialistisch geführten liberalen Konservatismus durchaus vorstellen. Das sind doch keine in Beton gegossene Formen, sondern nur Begriffe und Sammelsurien ohne absolute Repräsentanz.

  1. Unter Evolution (von lateinischevolvere „herausrollen“, „auseinander rollen“, „auswickeln“, „entwickeln“) versteht man im deutschsprachigen Raum in erster Linie die biologische Evolution. Darunter wird die von Generation zu Generation stattfindende allmähliche Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen und von anderen organischen Strukturen (z. B. Viren) verstanden.
  2. Eine Ideologie (von französisch idéologie; zu altgriechisch ἰδέα idéa, hier „Idee“, und λόγος lógos „Lehre, Wissenschaft“ – eigentlich „Ideenlehre“). Er ist eine umfassende Weltanschauung, die gesellschaftliche, historische, politische, ökonomische oder kulturelle Rahmenbedingungen in einer bestimmten, interessengeleiteten und damit einseitigen, bis hin zu einer verzerrten Art und Weise auffasst, deutet und repräsentiert. Wikipedia

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