Betrachten wir die kleinste gesellschaftlich Formation, die Familie aus Großeltern, Eltern und Kindern. Kinder wachsen und brauchen Kleidung, Nahrung und die gesellschaftlich notwendige Ausrüstung für Schule und Spiel. Großeltern müssen irgendwann gepflegt werden. Die dazu notwendige Planung und Finanzmittel müssen rechtzeitig berücksichtigt und bereitgestellt werden. Und wo steht geschrieben, das in Not geratenen Familien nicht die Hilfe derer zuteil werden kann, die erfolgreicher planen konnten. Alle sind Menschen und fehlerhaft, jeder kann Pech haben und auch versagen. Jeder weiß es, jeder sieht es alltäglich und trotzdem entwickelt sich unsoziales Denken und Verhalten unaufhörlich weiter. Dass ist doch mit einem „so ist das eben“ nicht zu erklären. Erinnern wir uns an die Bericht der frühen Seefahrer, die irgendwann eine Insel in der Südsee erreicht haben und dort eine Gesellschaft, eher eine Gemeinschaft vorfanden, in der soziales Verhalten selbstverständlich war. Viele der Seeleute sind dort geblieben und wollten nicht zurück ins fortschrittliche Europa. Es gab sie also schon, die Paradiese, und warum orientieren wir uns nicht daran? Nun, ich beantworte dem Leser diese Frage nicht. Ich gebe allerdings zu bedenken, das die Ansicht „das geht doch gar nicht“ schon durch dieses Beispiel widerlegt ist. Der Mensch in sich ist ein soziales Wesen, und ich behaupte, das dort, wo Unsozialität herrscht zumeist Traditionen und falsche Wertesysteme zugrunde liegen. Das ist aber kein Naturgesetz, sondern menschengemachtes Ungemach.
Das Revolutionen, das Umstürze, das andere Personen oder gar das „sich zurück besinnen“ eine Wendung ins Bessere, Gerechtere und Menschlichere ergeben, ist ebenfalls mehr als einmal widerlegt. So geht es nicht. Ich denke, man muss tiefer in den Strukturen beginnen, die bei uns in Europa wirksam sind. Wir haben zwar die Klassengesellschaft abgeschafft, aber Klassen bestehen immer weiter. Was früher der Adel ist heute der Reichtum. Was früher die Priester und Religionsführer sind heute die VIPs und Helden aus Wirtschaft, Sport und Unterhaltung. Nun habe ich nichts gegen fachgerechte Bezahlung oder gegen einen hohen Bekanntheitsgrad. In manchen Berufen ist das nicht zu vermeiden. Aber ich möchte auf einen Mangel aufmerksam machen, der ganz besonders in Quizsendungen im TV deutlich durchscheint: Diese Berühmtheiten sind meist ganz normale Menschen, die nur eine einzige Gabe oder sogar nur Glück gehabt haben, aber in der breiten Vielfalt des Lebens nicht anders ausgestattet sind als der einfache Handwerker oder Büroangestellte. Nun sind diese Spezialisten ja nicht deshalb allgemein bekannt, weil sie sich das ausgesucht haben, sondern weil sie die breite Masse des Volkes dazu gemacht haben und diese selbst es dann erst ausgiebig zu nutzen pflegen. Das Gleiche gilt für alle Bereiche der Öffentlichkeit, auch und besonders für Politiker und Medienschaffende. Und genau das sind in einer Demokratie die Mechanismen, die dazu einladen, Macht zu missbrauchen. Um dieser Missbrauchsmöglichkeit zu begegnen, müssen wir neben der Kontrolle durch die Allgemeinheit den Personenkult zurückschrauben oder sogar abschaffen. Ich zum Beispiel habe alle CDs von Pink Floyd gekauft, aber ich wäre nicht in der Lage zu sagen, wer die Musiker sind, die diese Werke geschaffen haben. Warum auch? Ich mag es, diese Musik zu hören, und übertrage das nicht automatisch auf ihre Interpreten. Etwas ähnlichen gilt für mich für Politik. Ich habe bestimmte Vorstellungen, wie Gesetze sein sollten, und wer bereit ist, diese zu unterstützen, bekommt meinen Beifall und in der gehäuften Ausprägung auch vielleicht meine Stimme. Ob und wie sich die/der sonst in Welt auslebt, muss und sollte mir als Souverän und Wähler gleich gültig sein. Nicht gleich gültig ist es, wenn zum Beispiel Parteien sich in Blöcke spalten, wenn sie Desinformation und Wahlbetrug begehen oder Polarisationsschaffende sind, wie sich das heute nennt. Solche Leute wähle ich nicht, gleich welcher Richtung sie angehören. In einer Gemeinschaft muss es zu Konsens kommen und darf nicht in Spaltung enden. Haben wir das aus der Historie nicht gelernt? „Wir sind wir, und Die sind die“ ist Spaltung, und das ist schlecht für eine Demokratie, Punkt.
Aber wie können wir heute vorgehen, um aus der Spaltung, der Klassenbevorzugung und der Vernachlässigung vieler Bürger, Dienste und Infrastrukturen herauszukommen? Es wird angesichts der chaotischen Zustände heutiger Tage ja wohl nicht ohne Planung, langsame Annäherung und Steuern gehen. Nehmen wir an, eine Region auf dem dünnbesiedelten Raum verliert ihre Allgemeinmediziner aus Altersgründen. Dann muss sich die Gemeinschaft der Betroffenen und ihre Vertreter in der Verwaltung aufraffen und diesen Missstand beseitigen, indem sie ausreichende Mittel bereitstellt, um einem Arzt die Ansiedlung schmackhaft zu machen. Gleiches gilt für Bäcker, Metzger und Gemüsebauern. Und wenn in einem anderen Beispiel Lehrer und funktionale Schulgebäude fehlen, dann kann ebenso verfahren werden. Genehmigungen und dergleichen werden als Ausnahme bzw. Notfall behandelt und entsprechend beschleunigt. Wo ist das Problem? Eine Firma mit Hunderten von Stellen geht pleite. Warum kann die Gemeinschaft nicht mit einer Ausnahmeaktion aushelfen und die schwierige Lage überbrücken und dabei natürlich auch mal das Management auszutauschen, anstatt die Firma dichtzumachen, zu verschachern und die Leute dann als Arbeitslose durchzuschleppen. Überzählige Fachkräfte könnten an suchende Firmen ausgeliehen werden. Es gibt doch Fachkräftemangel, oder sollte das nur ein Ausdruck zur Desinformation der Allgemeinheit sein. Es geht um Zusammenarbeit, nicht um Rechthaberei und Abschottung, oder sollte ich da etwas falsch verstanden haben? Arbeit ist für die Mehrheit der Menschen eine Lebensgrundlage, und die steht über dem Stolz und der Gier der Besitzenden und Manager.
Und natürlich müssen wir zu der Aussage und Überzeugung kommen, das wir als Volk, Staat oder Gesellschaft nicht alleine auf dem Planeten wohnen, sondern es gibt immer Nachbarn und damit auch andere Völker und Kulturen, deren Interessen zu berücksichtigen sind. Das mag uns nicht immer gerecht und sinnvoll erscheinen, aber wie anders wollen wir die demokratischen Werte Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung verstehen, wenn darin nicht frei, gleich und selbst vorkommen. Und haben wir nicht gelernt, das aus Zerstörung und Spaltung nicht immer weitere Zerstörung und Spaltung entstehen und diese sich zum Teil über Jahrhunderte hinziehen können. Unser System heute ist so ausgestattet, das jeder Staat frei und selbstständig über seine Regelwerke und Gesetze bestimmen kann. Ob das auf einer Demokratie, einer Ochlokratie, einer Oligarchie oder einer Parteidiktatur aufbaut muss nur die Staatsbürger interessieren, die betroffen sind. Das hat die Weltbevölkerung mit den UN-Statuten nach den Weltkriegen aus gutem Grund so geregelt. Wenn ein Produkt eines Staates preiswert, gut und brauchbar ist, sollte dem Käufer heute gleich gültig sein, aus welcher Staatsform heraus das Produkt hergestellt und gehandelt wird. Es gibt in unserem System keine Absprache, die einer politischen Klasse Vorrechte in Wirtschaftsfragen erlauben würde. Trotzdem wird Wirtschaft heute als Waffe gebraucht, um… ja was eigentlich? Um persönliche Vorlieben von Kultpersonen zu verwirklichen, um längst veraltete Vorurteile zu verfolgen, um wem auch immer etwas zu beweisen oder einfach nur, um seiner Gier zu folgen. Ich verstehe, das das in einer Diktatur erfolgen kann, aber was ist mit der Demokratie, die wir so sehr artikulieren? Demokratie hat den Grundbaustein der Einhegung von Macht und Reichtum durch das Volk selbst hervorgebracht. Wenn wir als Volk Spaltung, Vernachlässigung und Missbrauch dulden, dann sind wir nicht reif genug für Demokratie und Freiheit. Und wenn wir unsere Interessen mit Gewalt und Krieg durchsetzen wollen, sind wir ebenfalls nicht bereit für Freiheit. Und wenn Gesinnung wieder zu einer Basisstruktur für Erfolg und Einfluss verkommt, sind wie nicht fähig dazu, ein Souverän zu sein. Bestehende Gesetze sind zu befolgen, das ist richtig und bleibt richtig, und wenn uns das Bestehende nicht gefällt, können wir das durch Protestieren und Wählen gehen ausdrücken. Gewalt auszuüben ist kein Protest, sondern ein Verbrechen, Dinge und Infrastruktur zu zerstören ist ebenfalls kein Protest, sondern ein kriminelle Handlung.
Ich für mich habe entschieden, in meiner Staatsangehörigkeit Deutschland (nicht Heimat oder Volk…) keine Parteien mehr zu wählen, die das bestehende Übel herbeigeführt haben oder aus Blindheit heraus zu Klassenverhalten oder Blockbildung neigen. Dazu rechne ich nach wie vor alle im Bundestag vertretenen Parteien. Es wird wohl bald zu Neuwahlen kommen. Wählen Sie bitte keine der in Frage kommenden Parteien. Jeder Tierschützer, Rentner oder alternative Demokrat ist geeigneter als die, die sich heute dort balgen. Bitte haben Sie dem Mut und die Kraft dazu, denn Sie sind der Souverän und wenn Sie es nicht tun, wird es sich nicht bessern.