Nun ist es aber mal gut mit Trump-Bashing?!

Ich schlage die Zeitungen auf oder schalte Radio oder Fernsehen ein und finde überall das gleiche Bild: Man schlägt aus allen Ecken auf Donald Trump ein. Nun ist mir dieser Mann auch nicht sympathisch und sein Weltbild ist diametral anders als das meinige. Trotzdem regiert er aufgrund einer demokratischen Entscheidung und aufgrund eines Systems, das bisher alle gut und ausreichend fanden.

Wir sollten es ändern, richtig, aber jetzt und gleich geht das doch wohl nicht. Unsere amerikanischen Freunde haben einen Showman gewählt, das ist nun einmal etwas anderes als ein Berufspolitiker, Schauspieler oder Konzernboss. Ein Showman erzählt dem Publikum, was es hören möchte. Davon lebt dieser Beruf, und wenn die Show nicht mehr gefällt, dann wechselt der Zuschauer normalerweise Programm oder Theater. Das geht jetzt aber die nächsten vier Jahre nicht mehr, und jeder, der mit offenen Augen vorm amerikanischen Fernseher saß, hätte es zumindest ahnen können. Was Europa verstehen muss ist die Tatsache, dass wir mit diesem Präsidenten werden leben müssen. Er ist nun einmal der mächtigste Mann der Welt, befehligt die größte Armee der Welt und repräsentiert ein Volk, das eine riesige Wirtschaftsmacht darstellt. Die kleinen Staaten Europas sollten sich daher besser arrangieren und sich vor allem zurückhalten mit Beleidigungen und übler Nachrede, wenn sie ihre Verhandlungspositionen dem großen Bruder gegenüber nicht dauerhaft schwächen wollen. Und was für die Politik gilt, gilt abgeschwächt auch für unsere Medien. Ein gewisses Maß an Fairness wäre hier durchaus geboten, hat doch dieser Mann im neuen Amt bisher nur durchgezogen, was er auch lautstark im Wahlkampf auch angekündigt hat. Das ist  viel mehr, als unsere europäischen Amtsinhaber nach Brandt  jemals zustande gebracht haben. Trump redet meistens in Schlagworten (Wie Merkel bei uns: Wir schaffen das…; Uns geht es gut…), reformiert wie angekündigt die Gesundheitsversorgung (Das machen wir bei uns auch schon seit Jahrzehnten  mit sehr mäßigem Erfolg…), er cancelt Freihandelsabkommen (Dafür demonstrieren hierzulande 250.000 Menschen in Berlin…), er spricht eine ungehobelte Sprache (Bayrische Politikdarsteller lassen grüßen…) und er ernennt wahrscheinlich weiter als unfähig geltende Minister (Mit  Doprint und Schmidt, Gabriel und Nahles sollten wir da ganz leise sein…). Etwas mehr Contenance wäre also durchaus angebracht.

Exkurs: Bashing gibt es mittlerweile ja nicht nur gegen Trump. Früher war es unbestritten politisches Handwerk, den Gegner und dessen Thesen inhaltlich anzugreifen und so dessen Einfluss im eigenen Sinne zu bremsen. Diese Auseinandersetzungen fanden statt in Parlamenten, Reden und Interviews, seltener auch in direkten Diskussionen. So war es und so ist es in den Köpfen der Menschen scheinbar noch immer. Das stimmt aber nicht mehr! Man setzt sich heute nicht mehr mit Inhalten auseinander, sondern seziert Aussagen seiner Gegner und pickt sich heraus, was diskreditieren kann und stellt Verbindungen her, die aus dem Kontext gerissen eine unbeliebte Gesinnung bezeugen sollen, die dann angegriffen werden kann. Das nennt man in neudeutscher Sprache: Bashing.

Bestes Beispiel dafür ist der kürzlich bekanntgewordene Versuch, Sarah Wagenknecht in AfD-Nähe zu rücken. Ebenfalls zum Thema gehört dann noch die Gewohnheit von Moderatoren, kritische Stimmen in Interview und Diskussion ständig zu unterbrechen, deren Redefluss zu stören und aggressive Zwischenanmerkungen einzufügen. Frau Wagenknecht konnte in den letzten Auftritten in den öffentlich rechtlichen Medien (Lanz, Tagesthemen) meiner Erinnerung nach keine einzige Frage mit mehr als zwei einfachen zusammenhängenden Sätzen beantworten, ohne unterbrochen oder abgeschnitten zu werden. Nun ist es schon die Aufgabe der Moderatoren, das Gespräch zu lenken, allerdings ist zu beobachten, das der Redefluss konformer Mainstreamstimmen eben nicht gestört wird, dort sind keine kritischen Einwürfe zu beobachten, im Gegenteil, hier wird bei Bedarf von Moderatorenseite sogar noch fleißig mit Stichworten geholfen, falls die mal wieder ins Nirwana abschweifen. Das labert dann vom Moderator ununterbrochen und ungestört vor sich hin, bis der Zuschauer entnervt abschaltet. Darf man das immer noch Bashing nennen? Ja, eigentlich schon, für mich klingt es trotzdem eher nach Beihilfe zu Meinungsarmut (Das Gegenteil davon heißt Meinungsvielfalt!). Wie lautet noch der Auftrag der öffentlich rechtlichen Medien? Da ist wohl doch einiges in Vergessenheit geraten.

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