Digitalisierung

Entweder wird also der Gesellschaftsvertrag so verändert, dass Arbeit nicht mehr eine tragende Säule des Systems darstellt 1, oder aber die Tätigkeiten, die durch Digitalisierung wegzufallen drohen, werden zumindest so lange geschützt, bis neue Tätigkeitsfelder und Beschäftigungen gefunden werden können 2. Eine weitere Lösung sehe ich nicht. Einfach nur mehr Digitalisierung zu fordern, ohne auf die gesellschaftlichen Wirkungen Rücksicht zu nehmen, die sich daraus zwangsläufig ergeben werden, ist unverantwortlich. Für die vielen Bürger, deren Tätigkeit nicht mehr gebraucht wird, nur noch, wie zurzeit üblich, prekäre Beschäftigungen anzubieten und sie somit von der Teilhabe an der Gesellschaft auszuschließen, ist unsozial und verwerflich.

Aus meiner Sicht ist der Veränderungsprozess, wie er angestrebt wird, zu schnell und zu unkontrolliert, und ich habe nicht den Eindruck, dass unsere Politik-Darsteller verstehen, welche Konsequenzen gezogen werden müssten, um diesen gewünschten Wandel menschlich vertretbar vorzunehmen. Ein paar wichtige Punkte seien genannt:

  1. Arbeit kann so nicht weiter im Mittelpunkt der Gesellschaftsteilhabe stehen. Dazu wird es zu wenig Arbeit geben.
  2. Es müssen neue Transportwege geschaffen werden, um Waren zu verteilen. Die Straßen sind jetzt schon nicht mehr in der Lage, die notwendige Verteilung zu bewältigen.
  3. Rückständige Gebiete müssen entwickelt und mit Arbeitsplätzen versorgt werden. Es kann nicht nur Ballungsgebiete geben.
  4. Unsere Kinder brauchen Bildung, um mit den Informationsfluten umzugehen. Wissen ist nicht Bildung. Bildung ist die Fähigkeit, mit Wissen umzugehen.
  5. Die Herrscher der Industrie müssen begreifen, dass Menschen eine Würde besitzen und nicht zu Zwecken der Systemerhaltung leben und arbeiten.
  6. Und Steuern müssen wieder ihre Aufgabe erfüllen, nämlich steuern. Dazu müssen die Steuern angepasst werden an die neue Ordnung. Nur weiter der Hände Arbeit zu besteuern, ist Unsinn angesichts dieses Wandels.
  7. Knappe und endliche Ressourcen wie Grundbesitz, Wasser, Strom, Gas und andere Netze können nicht dem Markt überlassen bleiben. Auch hier müssen die Gesellschaft und ihre Vertreter steuern lernen.
  8. Die Bürger müssen mehr in den Entscheidungsprozess eingebunden werden, damit die neue Technik auch Akzeptanz findet. Die Digitalisierung sollte hier sogar eine große Hilfe sein, kann sie doch große Datenmengen in kurzer Zeit bewältigen.

Um eine Digitalisierung in unserem Lande voranzubringen und einzurichten müssten zumindest einige der genannten Punkte umgesetzt oder zumindest angegangen werden. Wovon ich höre ist aber nur Obergrenze und Sicherheit, Steuern senken für Unternehmen und/oder noch mehr Möglichkeiten zu öffnen zur Schaffung weiterer prekärer Arbeitsplätze. Das ist keine Politik, die sozial verträglich sein wird und den Frieden in der Gesellschaft bewahrt. Vor allem die Reichen und Gut-Situierten sollten aber doch ein Interesse daran haben, in einer friedlichen Gesellschaft zu wohnen, in der sie ihr Guthaben auch in Ruhe verleben können. So wie das bisher vorgesehen ist wird das aber nicht friedlich ablaufen können! Ihr führt, wenn ihr nicht bald entsprechend reagiert, im Grunde genommen 3 zurzeit einen Krieg der Wenigen gegen Viele? Das widerspricht massiv der Ansicht, das Spiel auf Dauer auch gewinnen zu können. Irgendwann werden die Vielen es bemerken und mit der Ruhe und dem Frieden im Lande ist es dann schnell vorbei. Wenn Zorn und Hass erst regieren, wird niemand mehr glücklich sein können.

  1. Das wäre das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens
  2. Das wäre die Aufgabe des Staates und der Gewerkschaften
  3. Wie Warren Buffet es schon sagte: Es ist der Krieg Reich (wenige) gegen Arm (viele)

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