Was tun gegen fake-news?

Sinnlose Fragen zu unstimmiger Zeit machen die Runde. Eine davon ist: Wie kann man im Netz und in den Medien fake-news verhindern? Die Frage ist doch relativ einfach und die Möglichkeiten dazu sind überschaubar. Keine Option sind sicherlich, neue Behörden zu schaffen, die solcherlei überwachen. Auch sind Automatismen (Algorithmen)  in Übermittlung und Verbreitung von Meldungen keine Lösung. Den genannten Maßnahmen widerspricht bereits die Meinungsfreiheit, die wir alle auf unsere Fahne geschrieben haben und für deren Verteidigung es viele gute Gründe gibt. Was bleibt dann aber noch?


Zeit spielt bei der Verbreitung von fake-news eine große Rolle, und zwar in der Form, das Meldungen nicht recherchiert und verfolgt werden können, wenn man im Wettbewerb um das Neueste vom Neuen um die Wette rennt. Nun gibt es zwei Arten von Nachrichten, da sind zum einen die Berichte zu geplanten und erwarteten Vorkommnissen wie Parteitage, Gerichtsurteile, Parlamentssitzungen, kulturelle Veranstaltungen und  anderen gesellschaftlich relevanten Ereignissen. Hier sind nahezu von allen Medien bereits Berichterstatter vor Ort und daher können diese Meldungen auch zeitnah in die Veröffentlichung gehen. Anders gestaltet es sich aber bei nicht vorhersehbaren Ereignissen. Hier zum Beispiel könnte eine Selbstbeschränkung der Medienbetreiber und Redaktionen durchaus eine entscheidende Rolle spielen. Diese sähe dann so aus, dass im direkten Umfeld der Ereignisse zwar Warnungen an die Bevölkerung rausgehen können, aber keine weiterführende Berichterstattung zeitnah  erfolgen muss. Bei Terroranschlag in Berlin z.B. würde eine allgemeine Meldung: „Es gab einen Anschlag in Berlin“ rausgegeben, weiterführendes aber würde erst nach gründlicher Recherche Stunden  später in den Druck oder den Äther gehen. So haben alle genug Zeit zur Recherche, die ermittelnden Behörden wären entlastet und man würde nebenbei noch Betroffene vor sensationsgeilen Zuschauern bewahren. Nun ist das mit der Selbstbeschränkung so eine Sache. Das hat bisher in dem konkurrenz-getriggerten Wirtschaftsablauf noch nie richtig funktioniert. Da bleiben eben doch nur noch staatliche Maßnahmen, die dann aber als Einschränkung der Pressefreiheit gesehen und wahrgenommen werden müssen. Oder gibt es noch einen anderen Weg? Am zeitlichen Ablauf kann daher wahrscheinlich nicht gedreht werden.
Als nächstes Kriterium zur Korrektur von fake-news böte sich dann das Thema „Konkurrenz“ an. Müssen Medien derart heftig auf „jeder gegen jeden“ getrimmt werden. Nicht nur, dass so Falschmeldungen möglich gemacht werden, auch leiden der Beruf des Journalisten darunter und die Medienhäuser gehen das Risiko ein, ihre Reputation verlieren zu können. Nun kann man gegen aggressives Konkurrenzdenken keine Gesetze erlassen, sondern dieses Problem kann wirklich nur in den Köpfen der verantwortlichen Redakteure gelöst werden. Keine Zeit und zu viel Konkurrenz sind die zwei großen Förderer von fake-news. Ein kollegiales Interesse der Journalisten könnte eine Lösung anbieten, doch dazu müssen sich die Medienhäuser anders aufstellen. Das erscheint ebenfalls unwahrscheinlich.
Es gab schon einmal ein solches Problem. Die Tageszeitungen waren nicht mehr in der Lage, genügend Recherche und Hintergrundinformation zu sammeln und die Nachrichtentiefe verflachte zunehmend. Als Lösung dieses Problems gelang es erst wieder Wochenzeitschriften, diese bedeutende Lücke zu füllen. Für den Leser bedeutet dies, Geduld zeigen zu müssen, zu warten, bis eine ausreichende Informationsdichte vorliegt. Daher ist auch der häufig gemachte Verweis auf die noch schnelleren Internetmedien vollkommen nutzlos, denn hier fehlt es erst recht an Zeit und der Konkurrenzdruck ist noch größer als bei den Printmedien, zumal die Angebotsvielfalt täglich anwächst. Das Problem fake-news löst sich nur über die Leser, die zwar auf die schnellen Infos durch Tageszeitung und Internet nicht zu verzichten brauchen, aber die trotzdem vor der Festigung einer Meinung auf ausreichend recherchierte Berichte warten können müssten. Dazu bieten sich Wochenzeitschriften an, dafür gibt es Blogs und andere spezialisierte Portale. Diese müssten nur intelligent genutzt werden, und natürlich muss es ein ausreichend buntes Angebot dieser Medien geben. Recherchierende Medien kosten Geld, das aber nur vom Leser kommen darf. Sie können sich allein schon aus Gründen der Unabhängigkeit nicht allein durch Werbung finanzieren.  Bestes Beispiel dafür sind Spiegel-Online (kostenfrei, durch Werbung finanziert, schnelle Info) und das Spiegel-Magazin (Print oder Online, einmal wöchentlich erscheinend, große Informationsfülle, aber nur mit Abo zu öffnen). Sich nur noch werbefinanziert zu informieren schneidet den Leser immer vom möglichen Hintergrundbericht ab, und das ist kein Weg in eine freie Zukunft der Information.
Zahlende Leser geben meiner Ansicht nach den besten Schutz vor fake-news ab. Sie  würden den Redaktionen weiterhin zusätzlichen Freiheitsspielraum den Eignern gegenüber geben. Die Leser haben, mit anderen Worten gesagt, die Lösung in ihrer eigenen Hand. Niemand kann ihnen diese Verantwortung abnehmen! Freie Meinungsäußerung ist nur dann frei, wenn alle und jeder seine Ansicht kundtun darf. Das schließt auch komplizierte und schlichte Beiträge ein und muss toleriert werden. Jedes Gesetz, jede Behörde, jeder Verein oder jeder Algorithmus schränkt die Freiheit der Information ein. Leben heißt eben doch mehr aktiv und involviert zu sein anstatt zu konsumieren oder nach Schutz und Führung zu rufen. Die Gesetze, die wir geschaffen haben, geben uns Schutz vor Gewaltanwendung und Fremdbestimmung. Das ist gut so. Vor freier Meinungsäußerung müssen wir uns nicht schützen. Das ist unsinnig und eigentlich sinnlos!

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